Interview mit Vereinsmitgliedern

Interview mit Pius Rüegg, seit 23 Jahren im Verein, Jhrg. 1956, Pöstler, Schönenberg. Über die Vereinsgeschichte und das Jungschützenwesen.

 

Ich war selbst Jungschütze mit 17 Jahren anno 1973. Fähnrich bin ich seit 35 Jahren, seit 1982. Seit 1976 bin ich Aktivmitglied, also fast 41 Jahre. Der Stand war früher noch im Dorf Ricken vorne beim Kiesplatz. Damals ging ich noch 20 Minuten zu Fuss sonntags zuerst von 9 bis 10 Uhr in die Kirche und danach in den Jungschützenkurs. Heute gibt es ein Sonntagsschiessverbot in der gesamten Schweiz – ausser für das Feldschiessen oder einzelne Spezialschiessen an einem Sonntag im Jahr. Von Bundesbern gab es Vorlagen für den Bau des Standes und für die Durchführung von Schiessanlässen. Im 1996 wurde der Standort verlegt und wir hatten von Anfang an elektronische Trefferanzeigen und ich wurde Standwart. Der Schiessstand im Cholloch steht auf Boden, welches dem Militär gehört und der Pächter ist glücklicherweise ein ehemaliger Jungschütze. Die Gemeinde Walde wollte sowieso bauen und die Gemeinde St. Gallenkappel wollte nur noch einen gemeinsamen Stand auf ihrem Gemeindegebiet. So sollte Walde und St. Gallenkappel einen gemeinsamen neuen Stand bauen. Und Ricken war damals in der Abklärung wegen Bauland und links und rechts von der Schusslinie im Dorf war eingezont als «übriges Gemeindegebiet», was bedeutete, dass dies hätte umgezont werden können in Bauland, wenn die Gemeinde zu wenig Bauland gehabt hätte. Und darum haben wir gesagt, irgendwann wird hier Schluss sein und wir versuchten, bei SG-Kappel und Walde anzuhängen. Dann haben die Gemeindeleute dies gemeinsam beschlossen. Damals war es noch Tradition, den Jungschützenkurs zu machen, auch um für die RS schon Vorkenntnisse zu haben. Heute schaut man wenig auf das. Im Militär wurde dies damals geschätzt, wenn man den Kurs hatte. Wir waren immer circa mehr als 10 Jungschützen. Ich habe dann später die Jugendlichen Schützen betreut ab 10 Jahren. Patrick war einer davon und ist bis heute – 20 Jahre später – geblieben und jetzt Jungschützenleiter. Wir haben öfters Ausflüge gemacht als Schlusshöck, gingen z.B. bowlen. Der Jungschützen-Kurs hat sich glaube ich nicht gross geändert aber ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Jungschützen auch Stiche der Aktiven schiessen können. Damals waren es noch 65 Schüsse pro Kurs. Wenn sie schon Schiessen wollen, dann sollen sie das auch dürfen. Das wichtigste dabei ist, dass die Jungschützenleiter immer wieder auf die Sicherheit hinweisen und nicht Rambos sondern Sportschützen sind. Ich glaube, unsere vier Jungschützenleiter machen das tiptop. Als ich noch Jungschützen gewesen bin, gab es noch keine elektronischen Scheiben und wir haben uns mit dem Zeigechef im Scheibenstand hinten mit den Zeigerkellen die Treffer anzeigen müssen. Das Amt des Zeigechefs brauchte es mit den elektronischen Scheiben nicht mehr.

Ein besonderes Erlebnis aus meiner Zeit damals war, dass wir mit dem Verein einmal mit Ross und Wagen an ein Jubiläums-Schiessen in der Nähe gefahren sind und dann wieder zurück bis ins Restaurant Schweizerhaus. Früher war das Vereinslokal im Hotel Post im Ricken vorne. Der Wirt hat aber unsere Vereinsfahne nach dem Umbau in den Toiletten aufgehängt. Der Verein wehrte sich und ich vermute, dass der Grossvater unseres Jungschützen Luca damals Wirt im Gasthof Schweizerhaus war, den Fahnen bei sich wollte und dadurch unser neues Vereinslokal wurde. Dort wurde uns ein Fenster gewidmet und der Fahnen hängt nun im Treppenhaus. Der alte Fahnen war noch gestickt und kostete damals wahrscheinlich noch über 20'000 Franken. Bei einem Neukauf einer Vereinsfahne gibt es einen Fahnengötti und ein Fahnengotti, welche die Hälfte der Kosten übernehmen. Unser jetziger Fahnen kostete ca. 5'500 Franken. Damals waren wir auch bei den Schiessen immer etwa um die 20 Aktive Schützen gewesen. Ich finde es wichtig, dass auch der Schützenverein neben Fussball und Leichtathletik wieder gepflegt wird. Wer sich früh schon an einem Verein anschliesst, hat dann später kaum noch Zeit für etwas anderes. Wir sind nicht mehr so viele Aktive heute und müssen uns um unseren Vereins-Nachwuchs kümmern. Mir ist es immer wichtig, dass auch die Jungschützen mit an auswärtige Schiessen gehen können. Wir haben ungefähr im Jahre 1990 an drei Kantonalschützenfesten an einem Tag teilgenommen. Am Morgen um 5.15 Uhr sind wir im Ricken Richtung Schaffhausen losgefahren, wo wir ab 7.30 Uhr Scheiben reserviert hatten. Ab 11 Uhr hatten wir wieder Scheiben reserviert in Haslen, Appenzell, wo wir bis 16 Uhr geschossen haben. Danach ging es weiter ins Luzernische nach Kriens. Um 20.30 Uhr waren wir dann wieder im Ochsen Neuhaus SG. Vor 23 Uhr mussten wir noch rasch ins Schweizerhaus bevor es geschlossen hatte und von da aus gingen wir wieder in den Adler runter. Als wir aus dem Adler rauskamen, war es draussen schon ziemlich hell. Ich erinnere mich gerne daran. Damals beschlossen wir, dass wir jedes Jahr an ein auswärtiges Schiessen gehen werden. Im Tessin gab es einen Stand, bei welchem man im Stehen die Scheiben nicht sah. Erst, wenn man sich hinlegte und einem ein Balken hingelegt wurde, um mit den Füssen anstehen zu können, sah man die Scheiben und so musste man hangaufwärts schiessen. Es gefällt mir, andere Schiessstände zu besuchen und mit Schützenkameraden zu feiern. Bis heute waren wir fast überall einmal dabei, ausser in Basel, Genf und in Nid- & Obwalden. Diese Ausflüge machen mir immer die grösste Freude – das ist für mich das schönste im Verein. Im Jahr 1920 werden wir das hundertjährige Jubiläum feiern. Auf dem Fahnen steht übrigens1922, weil er da erst eingeweiht wurde. Unsere Vereinsgründungsdokumente sind irgendwo aufbewahrt. Man müsste sich diese Mal anschauen um für eine Festschrift für unser Jubiläumsschiessen etwas zusammen stellen zu können.

 

Patrick, Jungschützenleiter, seit 21 Jahren Vereinsmitglied über Pius: 

"Pius gehört für mich einfach fix zum Verein, wie ein Maskottchen – schon immer, seit es für mich den Verein gibt, gehört Pius dazu. Er hat mich damals einfach mitgenommen zum Schiessen auch wenn ich erst gar nicht so wirklich wollte. Meine Eltern fanden, dass ich mit 14 Jahren zu viel Fernseh schaute. Pius half damals noch in unserem Restaurant aus und eines Tages nahm er mich einfach mit zum Stand. Meine Eltern sagten, wenn ich dann zum Schiessen müsse, dann müsse ich einfach gehen, es gäbe keine Ausrede. Als sie mich dann zum Heuen zu Hause haben wollten, erinnerte ich meinen Vater an seine Worte und ich durfte dann doch zum Schiessen. Und so nahm mich Pius an jeden Kurstag, an jedes auswärtige Schiessen mit und brachte mich wieder nach Hause. Und ich musste nie etwas zahlen. Das rechne ich ihm heute noch hoch an und bin sehr dankbar dafür."